Morgenlied

F. Hiller

Wenn ich einst von jenem Schlummer,

Welcher Tod heißt, aufersteh,

Und von dieses Lebens Kummer

Frey, den schönern Morgen seh:

O dann wach' ich anders auf,

Schon am Ziel ist dann mein Lauf!

Träume sind des Pilgers Sorgen,

Großer Tag! an deinem Morgen.

Hilf, daß keiner meiner Tage,

Geber der Unsterblichkeit,

Jenem Richtenden einst sage,

Er sey ganz von mir entweiht!

Auch noch heute wacht ich auf!

Dank dir, Herr, zu dir hinauf

Führ mich jeder meiner Tage,

Jede Freude, jede Plage.

Daß ich gern sie vor mir sehe

Wenn ihr lezter nun erscheint.

Wenn zum dunkeln Thal' ich gehe,

Und mein Freund nun um mich weint:

Lindre dann des Todes Pein,

Und laß mich den Stärksten seyn,

Mich, der ihn gen Himmel weise,

Und dich, Herr des Todes, preise!