Chloëns Abendseufzer

F. Kauffmann

Willkommen, Nacht! Wie sehnsuchtsvoll

Schmacht' ich nach deinen Finsternissen!

Bedeckt von deinen Schatten soll

Mich heute Thyrsis küssen.

O! ziehe deinen schwarzen Flor,

So dicht ihn die Natur dir gönnet,

Dem allerkleinsten Sternchen vor,

Dass an dem Himmel brennet;

Dass Eifersucht und Neugier nicht

Die Ruhstatt unsrere Lieb' ergründen;

Mein Thyrsis weiss, auch ohne Licht,

Sein Mädchen bald zu finden.

Und du, o Morpheus, steig' auch du

Mit deinem Zauberstabe nieder,

Und siegle sie recht feste zu,

Der Mutter Augenlider.

Ja, gib, das auf der Erde sich

Kein einz'ger Friedensstörer rege,

Und nebst dem Liebesgott nur ich

Und Thyrsis wachen möge.