Kind und Mutter

F. Koenen

Wenn ich in deinen Armen lieg'

und an die Brust mein Köpfchen schmieg',

dann hör' ich's pochen, Mütterlein,

so laut und schnell - was kann das sein?

Was ist's, das drinnen klopfen mag,

als wie der Uhre Pendelschlag,

tik, tak, tik, tak, tik, tak?

Das ist das Herz, mein liebes Kind,

das schlägt bald langsam, bald geschwind;

und wen ich Gottes Wunder schau',

der Sonne Glanz, des Himmels Blau,

des Mondes und der Sterne Pracht,

dann hebt es sich andächtig sacht:

Tik, tak, tik, tak, tik, tak.

Und schau' ich, Kind, recht tief hinein

in deine treuen Äugelein,

dann wird so wohl und froh mir gleich,

als blickt' ich in das Himmelreich,

in Gottes Wunder licht und hell;

dann schlägt's da drinnen laut und schnell:

Tik, tak, tik, tak, tik, tak.

Nun guck' mich an, du lieb' Gesicht,

und horche, was die Mutter spricht:

So lange sich's da drinnen regt,

so lang' das Herz in mir noch schlägt,

bald langsam nur und bald geschwind,

so lange schlägt's für dich, mein Kind!

Tik, tak, tik, tak, tik, tak!