Landstreicherherberge

F. Krause

Wie fremd und wunderlich das ist,

Daß immerfort in jeder Nacht

Der leise Brunnen weiterfließt,

Vom Ahornschatten kühl bewacht.

Und immer wieder wie ein Duft

Der Mondschein auf den Giebeln liegt

Und durch die kühle, dunkle Luft

Die leichte Schar der Wolken fliegt!

Das alles steht und hat Bestand,

Wir aber ruhen eine Nacht

Und gehen weiter über Land,

Wird uns von niemand nachgedacht.

Und dann, vielleicht nach manchem Jahr,

Fällt uns im Traum der Brunnen ein

Und Tor und Giebel, wie es war

Und jetzt noch und noch lang wird sein.

Wie Heimatahnung glänzt es her

Und war doch nur zu kurzer Rast

Ein fremdes Dach dem fremden Gast,

Er weiß nicht Stadt, nicht Namen mehr.

Wie fremd und wunderlich das ist,

Daß immerfort in jeder Nacht

Der leise Brunnen weiterfließt,

Vom Ahornschatten kühl bewacht!