Die Schwalben
F. Partzsch
Der Schnee ist dahin, ist verschwommen
In's große, gewaltige Meer.
Ihr Schwalben, seyd wieder gekommen!
Ihr kamet, ich weiß nicht, woher?
Ich weiß nur: ihr fandet euch wieder,
Weil Liebe von Liebe nicht läßt,
Und lasset euch häuslich hier nieder,
Und jede baut singend ihr Nest.
Oft seyd ihr von dannen gezogen,
Wenn leise der Sommer entwich;
Und kamt ihr dann wieder geflogen:
So kamt ihr; was kümmert' es mich?
Am liebsten noch sah' ich euch scheiden
Dahin in das wärmere Land.
Ich konnt' euer Schwatzen nicht leiden,
Wovon ich noch gar nichts verstand.
Auch hätt' ich wohl gern euch vertrieben,
So oft ihr den Schlaf mir vertriebt.
Ein Mädchen muß etwas doch lieben;
Es liebet den Schlaf, eh' es liebt.
Doch dießmal, wie alte Bekannte,
Begrüßt' ich euch froh, und ihr mich!
Gewiß! wir sind Sinnesverwandte!
Ihr lebet, ihr liebet, wie ich!
Ihr jauchzet in luftigen Räumen,
Und treibet viel liebenden Scherz
Auf sonnigen Dächern und Bäumen,
Und innig versteht euch mein Herz.
Ich weiß, was der Frühling bedeutet:
Zum Liebesfest schmückt sich der Hain;
Die liebliche Schneeglocke läutet
Ganz leise das Wonnefest ein.