Willst du vielleicht in den Turm hinein?

F. Pfohl

Willst du vielleicht in den Thurm hinein?

Dort wohnt ein heimlich Grauen,

Im Balkenwerk bei Vollmondschein

Sind dort die Glocken zu schauen.

Die Balken im Thurm sind grau und alt,

Und düster hängen die Glocken;

Dort unter einer sieht man geballt

Ein Weißes grausig hocken!

Du weißt nicht, ist's eine Menschengestalt,

Die unter der Glocke kauert?

Sie fletscht die Zähne, ihr Mantel wallt:

Du schaust sie an und dich schauert.

Als man vor Zeiten für frommen Brauch

Die alte Glocke gegossen,

Sind mir dem Erz aus dem Ofen auch

Gebeine zuckend geflossen.

Das war des Glockengießers Weib,

Er stieß sie in die Flammen,

Als das Erz zerschmolz, bei lebendigem Leib,

Sie floß mit der Glocke zusammen.

Und als man dann die Glocke schwang,

Da gab's ein seltsam Geläute,

Das wie eines Menschen Nothruf klang --

So klingt die Glocke noch heute.