Nachtigall, die fromme
F. Ritter
Nachtigall, die fromme, lebt und webet
Ewig in der Rose Dienst und Pflicht;
Doch die Rose sendet hart und herbe
Dornen ihr in's Herze, bis es bricht.
Und von ihrem Aste sinkt verblutend
Nachtigall hinunter in den Staub,
Richtet auf die stolze, kalte Blume
Matt empor ihr sterbend Aug' und spricht:
„Allzu tief verachtest du mich Arme,
Allzu sehr verkennst du meinen Werth;
Nicht so ganz entbehr' ich allen Adels,
Ob mir auch der äußre Schein gebricht.”
„Meine Seele, wiss', ist eine Rose,
Ganz, wie du, so zart, so schön, so licht;
Schau herab, du allzu Ahnungslose!
Kennst du deine Schwesterblume nicht?”