Herr Hiltigrim ist, wie er geht und steht
F. Sieber
Herr Hiltigrim ist, wie er geht und steht,
Die Krone der Küchenmeister,
Wie Keiner, wo immer ein Spieß sich dreht,
Beherrscht er die Bratengeister.
Dafür genudelt und gespickt
Ist er mit Sorgen und Plagen,
Daß er die Tafel recht beschickt,
Sonst geht es ihm an den Kragen.
Doch mundet, was er buk und briet,
Heil! hochversippter Suppenschmied,
Herr Hiltigrim von Grauscharen!
Er quirlt herum dem Herde nah,
Den Kochen rauchen die Köpfe,
Er kostet hier und kostet da
Und guckt in alle Töpfe.
Doch wenn die Tischtrompete schallt,
So kommt er aus den Küchen
Mit seiner Schaar, umdampft, umwallt
Von köstlichen Gerüchen.
Was aber auch die Tafel trägt,
Die beste Klinge selber schlägt
Herr Hiltigrim von Grauscharen.
Er hat ein Bäuchlein wie ein Lurch
Und nelkenrothe Ohren,
Da scheint die liebe Sonne durch
Von hinten und von voren.
Er hat ein freundlich Doppelkinn
Von angenehmem Schwunge,
Er hat den allerscharfsten Sinn
In seiner feinen Zunge.
Man sieht, wenn er die Lippen leckt,
Daß es bis in die Zeh' ihm schmeckt,
Herr Hiltigrim don Grauscharen.
Er ist wie eine Tonne schlank,
Umreist von Schwertes Fessel,
Sein Kürbiskopf ist glatt und blaut
Gescheuert wie ein Kessel.
Er ist ein Held von Kopf zu Fuß,
Ein Mann an seinem Platze,
Reicht Jedem gern zu Druck und Gruß
Die kleine, dicke Tatze.
Heil, Herr! schafft uns ein gut Gericht,
Versalzt uns auch die Suppe nicht,
Herr Hiltigrim von Grauscharen!