An die Nacht
F. Stegmayer
Hehre, heil'ge, stille Nacht,
Sinkst herab auf Flur und Hain.
Alles, was geweint, gelacht,
Schläft an deinem Busen ein.
Alle Leidenschaften sind gestillet,
Dicht verhüllet
Schmerz und Pein.
Nur der Liebe Sehnsucht wacht,
Für sie bricht der Tag nun an,
Strahlend glüht der Sterne Pracht,
Hellet ihr die weite Bahn.
Sehnsucht kennet weder Zaum noch Zügel,
Hebt die Flügel
Himmelan.
Heil'ge Nacht, sei mir gegrüßt!
Bringe Frieden meiner Brust!
Ach! zu schwer hab' ich gebüßt,
Was ich fehlte, schuldbewußt.
Führe mich aus irdischem Gewühle
Hin zum Ziele
Reiner Lust!
Nicht hienieden weilt das Glück,
Das ich sucht' ohn' Unterlaß.
Erde, dir geb' ich zurück
Freud' und Leiden, Lieb' und Haß.
Sehnend blickt mein Aug' nach jenen Fernen
Übern' Sternen,
Thränennaß.