Angst in der Nacht

F. Walter

Die Uhr spricht ängstlich mit dem Spinnweb an der Wand,

Am Laden reißt der Wind,

Meine flackernden Kerzen sind

Ganz vertropft und heruntergebrannt,

Kein Wein im Glase mehr,

Schatten in allen Ecken,

Deren lange Finger sich nach mir strecken.

Wie in der Kinderzeit

Schließ ich die Augen und atme schwer,

Angst hält mich kauernd im Stuhl gefangen.

Aber keine Mutter kommt mehr,

Keine gute, scheltende Magd mehr gegangen,

Die mich am Arm nimmt und mir die schreckliche Welt

Freundlich entzaubert und neu mit Trost erhellt.

Lange bleib ich im Finstern kauern,

Höre den Wind im Dach und den knisternden Tod in den Mauern,

Höre Sand hinter Tapeten rinnen,

Höre den Tod mit frierenden Fingern spinnen,

Reiße die Augen auf, will ihn sehen und greifen,

Sehe ins Leere und höre ihn fern

Aus den spöttischen Lippen leise pfeifen,

Taste zum Bett -- schliefe, schliefe so gern!

Aber Schlaf ist ein scheuer Vogel geworden,

Schwer zu fangen, zu halten, doch leicht zu morden;

Pfeifend fährt er, die Stimme voll bittrem Hohn,

Sausenden Fluges im zerrenden Winde davon.