Frühlingsgespenster

F. Weingartner

Ich saß noch spät in meinem Zimmer

Studierend bei der Lampe Schimmer

Und ob mein Auge müd'und matt

Wandt'ich doch emsig Blatt um Blatt

Da klopft'es plötzlich an mein Fenster

Ich glaube zwar nicht an Gespenster

Doch, weil gar hoch mein Fenster war

Schien mir das Klopfen wunderbar

Ich spähte in die nächt'gen Räume

Der Mond schien freundlich durch die Bäume

Tief unten schlug die Nachtigall

Sonst tiefes Schweigen überall

Doch kaum saß ich zu lesen nieder

So klopft'es auch vernehmlich wieder

Weit macht'ich nun die Fenster auf

Und ließ den Klopfern freien Lauf

Und plötzlich schwärmten durch die Fenster

Zwei braune surrende Gespenster; -

Maikäfer waren's, die's verdross

Dass ich im Zimmer mich verschloss

Dass ich mich über Büchern härmte

Genießend nicht, wie sie, durchschwärmte

Die linde, weiche Maiennacht

Voll Blütenduft und Sternenpracht