Abendbilder

Schubert, Franz

Still beginnt's im Hain zu thauen;

Ruhig webt der Dämm'rung Grauen

Durch die Gluth

Sanfter Fluth,

Durch das Grün umbüschter Auen,

So die trunk'nen Blicke schauen.

Sieh'! der Raben Nachtgefieder

Rauscht auf ferne Eichen nieder. -

Balsamduft

Haucht die Luft;

Philomelens Zauberlieder

Hallet zart die Echo wieder.

Horch! des Abendglöckleins Töne

Mahnen ernst der Erde Söhne,

Daß ihr Herz

Himmelwärts,

Sinnend ob der Heimath Schöne,

Sich des Erdentands entwöhne.

Durch der hohen Wolken Riegel

Funkeln tausend Himmelssiegel,

Luna's Bild

Streuet mild

In der Fluthen [klaren] Spiegel

Schimmernd Gold auf Flur und Hügel.

Von des Vollmonds Wiederscheine

Blitzet das bemooste kleine

Kirchendach.

Aber ach!

Ringsum decken [kühle Steine]

Der Entschlummerten [Gebeine].

Ruht, o Traute! von den Wehen,

Bis beym großen Auferstehen

Aus der Nacht

Gottes Macht

Einst uns ruft, in seiner Höhen

Ew'ge Wonnen einzugehen.