Abends unter der Linde

Schubert, Franz

Woher, o namenloses Sehnen,

Das den beklemmten Busen preßt?

Woher, ihr bittersüßen Thränen,

Die ihr das Auge dämmernd näßt?

O Abendroth, o [Mondenblitz],

Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;

Es [flistert] im Akazienstrauch.

Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde

Des grauen Abends lauer Hauch.

Es spricht um mich, wie Geistergruß;

Es weht mich an, wie Engelkuß.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,

Der Linde [graue] Scheitel bebt -

Verklärte himmlische Gebilde,

Seyd ihr es, die ihr mich umschwebt?

Ich fühle eures Athems Kuß,

O Julie! o Emilius!

Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!

Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül

Durch stumme leichenvolle Öden.

Elysium ist mild und kühl.

Elysium ist wonnevoll -

Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!