Abendständchen. An Lina

Schubert, Franz

Sey sanft, wie ihre Seele,

Und heiter, wie ihr Blick,

O Abend! und vermähle

Mit seltner Treu das Glück.

Wenn alles schläft, und trübe

Die stille Lampe scheint,

Nur hoffnungslose Liebe

[Noch helle] Thränen weint:

Will ich, laß mir's gelingen!

Zu ihrem Fenster gehn,

Ein Lied [von Liebe] singen;

Und [schmachtend] nach ihr sehn.

Vielleicht, daß Klagetöne

Von meinem Saitenspiel

Mehr wirken auf die Schöne,

Mehr reizen ihr Gefühl;

Vielleicht daß meine Saiten

Und meine Phantasie'n

Ein Herz zur Liebe leiten,

Das unempfindlich schien.

Wenn sie, im sanften Schlummer

Durch Lieder gern gestört,

Halbträumend meinen Kummer

Und meine Leiden hört;

Dann bang, und immer bänger,

Von ihrem Lager steigt,

Und was er litt, ihr Sänger,

Sich selber überzeugt:

Dann leucht' aus deiner Höhe

Herab, geliebter Mond!

Daß ich die [Thräne] sehe,

Die meinen Schmerz belohnt.