Alles um Liebe
Schubert, Franz
Was ist es, das die Seele füllt?
Ach, Liebe füllt sie, Liebe!
Sie füllt nicht Gold noch Goldes werth;
Nicht, was die schnöde Welt begehrt,
Sie füllt nur Liebe, Liebe!
Was ist es, das die Sehnsucht stillt?
Ach, Liebe stillt sie, Liebe!
Sie stillt nicht Titel, Stand noch Rang,
Und nicht des Ruhmes Schellenklang;
Sie stillt nur Liebe, Liebe!
Was ist's, wonach das Herz zerlechzt?
Es lechzet, ach, nach Liebe!
Es schmachtet nicht nach Druck und Kuß,
Nicht nach der Wollust Vollgenuß;
Es schmachtet nur nach Liebe.
Gern geb' ich, was ich hab' und bin,
Gern geb' ich's hin um Liebe.
Des Reichthums bunter Seifenschaum,
Der Wollust Rausch, des Ruhmes Traum,
Was frommt es ohne Liebe!
Viel süsser ist's, gering und arm
An treuer Brust verschmachten,
Als ungeliebt und liebelos
Den Tag verprassen, und im Schooß
Der Wollust übernachten.
Liebt herzlich mich, liebt schmerzlich mich
Die Eine, die ich meine -
Nimm alles, alles hin, Geschick,
Nimm Ruh und Ruhm und Lebensglück;
Mir gnügt, mir gnügt die Eine.
Und sollt' ich fern von Ihr, von Ihr
Dahin mein Leben trauern,
Und wüßte nur, daß du mich liebst,
Daß du mir, Herzgeliebte, bliebst,
Wer dürfte mich bedauern?
Und wär ich in der Sklaverey,
In [freundeloser] Wildniß,
Und wäre Dein, nur Dein gewiß,
So [wäre] Sklaverey mir süß,
Und Paradies die Wildniß.
Und hüllte Todesfinsterniß
Dich, meines Lebens Sonne,
Und stürb' ich nur von Ihr gemeint,
Von Ihr beklagt, von Ihr beweint,
[So stürb' ich wohl mit] Wonne.
Viel besser ist's, jung, kräftig, kühn
Im Arm der Liebe sterben,
Als ungeliebt und liebelos
In dumpfer Freuden mattem Schooß
Veralten und verderben.