An den Mond in einer Herbstnacht
Schubert, Franz
Freundlich ist dein Antlitz,
Sohn des Himmels!
Leis sind deine Tritte
Durch des Aethers Wüste,
Holder Nachtgefährte.
Dein Schimmer ist sanft und erquickend,
Wie das Wort des Trostes
Von des Freundes Lippe,
Wenn ein schrecklicher Geyer
An der Seele nagt.
Manche Thräne siehst du,
Siehst so manches Lächeln,
Hörst der Liebe trauliches Geflüster,
Leuchtest ihr auf stillem Pfade,
Hoffnung schwebt auf deinem Strahle
Herab zum stillen Dulder,
Der verlassen geht auf bedorntem Weg.
Du siehst auch meine Freunde,
Zerstreut in fernen Landen;
Du gießest deinen Schimmer
Auch auf die frohen Hügel,
Wo [ich] als Knabe hüpfte,
Wo oft bei deinem Lächeln
Ein unbekanntes Sehnen
Mein junges Herz ergriff.
Du blickst auch auf die Stätte,
Wo meine Lieben [ruhen],
Wo der Thau fällt auf ihr Grab,
Und die Gräser drüber [wehen]
In dem Abendhauche.
Doch dein Schimmer
Dringt nicht in die dunkle Kammer,
Wo sie ruhen von des Lebens [Mühe],
Wo auch ich bald ruhen werde!
Du wirst geh'n und wiederkehren,
[Und] seh'n noch manches Lächeln,
Dann werd' ich nicht mehr lächeln,
Dann werd' ich nicht mehr weinen,
Mein wird man [dann] nicht mehr gedenken
Auf dieser schönen Erde.