An Schwager Kronos

Schubert, Franz

Spude dich, Kronos!

Fort den rasselnden Trott!

Bergab gleitet der Weg;

Ekles Schwindeln zögert

Mir vor die Stirne dein Zaudern.

Frisch, holpert es gleich,

Ueber Stock und Steine den Trott

Rasch in's Leben hinein!

Nun schon wieder

Den erathmenden Schritt

Mühsam Berg hinauf.

Auf denn, nicht träge denn,

Strebend und hoffend hinan!

Weit, hoch, herrlich [der Blick

Rings] ins Leben hinein,

Vom Gebirg' zum Gebirg'

Schwebet der ewige Geist,

Ewigen Lebens ahndevoll.

Seitwärts des Überdachs Schatten

Zieht dich an,

Und ein Frischung verheißender Blick

Auf der Schwelle des Mädchens da.

Labe dich! - Mir auch, Mädchen,

Diesen schäumenden Trank,

Diesen frischen Gesundheitsblick!

Ab denn, rascher hinab!

Sieh, die Sonne sinkt!

Eh' sie sinkt, eh' mich Greisen

Ergreift im Moore Nebelduft,

Entzahnte Kiefer schnattern

Und das schlotternde Gebein.

Trunknen vom letzten Strahl

Reiß mich, ein Feuermeer

Mir im schäumenden Aug',

Mich geblendeten Taumelnden

In der Hölle nächtliches Thor.

Töne, Schwager, in's Horn,

Raßle den schallenden Trab,

Daß der Orkus vernehme: wir kommen,

Daß gleich an der [Thüre]

Der Wirth uns freundlich empfange.