Atys
Schubert, Franz
Der Knabe seufzt übers grüne Meer,
Vom fernenden Ufer kam er her.
Er wünscht sich mächtige Schwingen:
Die sollten ihn ins heimische Land,
Woran ihn ewige Sehnsucht mahnt,
Im rauschenden Fluge bringen.
»O Heimweh! unergründlicher Schmerz,
Wie folterst du das junge Herz;
Kann Liebe dich nicht verdrängen?
So willst du die Frucht, die herrlich reift,
Die Gold und flüssiger Purpur streift,
Mit tödtlichem Feuer versengen?
Ich liebe, ich rase -ich hab' sie gesehn.
Die Lüfte durchschnitt sie im Sturmeswehn
Auf löwengezogenem Wagen,
Ich mußte flehn: o nimm mich mit!
Mein Leben ist düster und abgeblüht;
Wirst du meine Bitte versagen?
Sie schaute mit gütigem Lächeln zurück;
Nach Thracien zog uns das Löwengespann,
Da dien' ich als Priester, ihr eigen.
Den Rasenden kränzt ein seliges Glück:
Der Aufgewachte schaudert zurück -
Kein Gott will sich hülfreich erzeigen.
Dort, hinter den Bergen, im scheidenden Strahl
Des Abends, entschlummert mein väterlich Thal;
O wär' ich jenseits der Wellen!«
Seufzet der Knabe, doch Cymbelgetön
Verkündet die Göttin; er stürzt von Höh'n
In Gründe und waldige Stellen.