Auf dem Strom

Schubert, Franz

Nimm die letzten Abschiedsküsse,

Und die wehenden, die Grüße,

Die ich noch ans Ufer sende

Eh' Dein Fuß sich scheidend wende!

Schon wird von des Stromes Wogen

Rasch der Nachen fortgezogen,

Doch den [thränendunklen] Blick

Zieht die Sehnsucht stets zurück!

Und so trägt mich denn die Welle

Fort mit unerflehter Schnelle.

Ach, schon ist die Flur verschwunden

Wo ich selig Sie gefunden!

Ewig hin, ihr Wonnetage!

Hoffnungsleer verhallt die Klage

Um das schöne Heimathland,

Wo ich ihre Liebe fand.

Sieh, wie flieht der Strand vorüber,

Und wie drängt es mich hinüber,

Zieht mit unnennbaren Banden,

An der Hütte dort zu landen,

In der Laube dort zu weilen;

Doch des Stromes Wellen eilen

Weiter, ohne Rast und Ruh,

Führen mich dem Weltmeer zu!

Ach, vor jener dunklen Wüste,

Fern von jeder heitern Küste,

Wo kein Eiland zu erschauen,

O, wie faßt mich zitternd Grauen!

Wehmuthsthränen sanft zu bringen,

Kann kein Lied vom Ufer dringen;

Nur der Sturm weht kalt daher

Durch das grau gehob'ne Meer!

Kann des Auges sehnend Schweifen

Keine Ufer mehr ergreifen,

Nun so [blick'] ich zu den Sternen

[Dort] in jenen heil'gen Fernen!

Ach bei ihrem milden Scheine

Nannt' ich sie zuerst die Meine;

Dort vielleicht, o tröstend Glück!

Dort begegn' ich ihrem Blick.