Auf einen Kirchhof
Schubert, Franz
Sey gegrüßt geweihte Stille,
Die mir sanfte Trauer weckt,
Wo Natur die [Blumenhülle
Blühend] über Gräber deckt.
Leicht von Wolkenduft getragen,
Senkt die Sonne ihren Lauf,
Aus der finstern Erde schlagen
[Feuerrothe] Flammen auf.
Ach auch ihr, erstarrte Brüder,
Habet sinkend ihn vollbracht,
Sankt [auch ihr] so herrlich nieder
In des Grabes Schauernacht?
Schlummert sanft ihr kalten Herzen
In der düstern langen Ruh,
Eure Wunden, eure Schmerzen,
Decket mild die Erde zu.
Neu Zerstören, neu Erschaffen,
Treibt das Rad der Weltenuhr,
Kräfte, die [im] Fels erschlaffen,
[Leben] wieder auf der Flur.
Und auch du, geliebte Hülle,
Sinkest zuckend einst hinab,
Und erblühst in schöner Fülle
Neu ein Blümchen auf dem Grab.
Wankst ein Flämmchen durch die Grüfte,
Irrest flimmernd durch [den] Moor -
Schwingst ein Strahl dich [in] die Lüfte,
Klingest hell ein Ton empor!
Aber du das in mir lebet,
Wirst auch du des Wurmes Raub?
Was [mich heiligt,] mich erhebet,
Bist auch du nur [todter] Staub?!
Nein - was ich [unsterblich glaube],
Was [mich heiligt,] mich erhebt,
[Wird dem Zufall nicht zum Raube,
Stammt von ihm, der ewig lebt].