Cronnan

Schubert, Franz

Shilric:

Ich sitz bey der moosigten Quelle;

am Gipfel des stürmischen Hügels.

Ueber mir braust ein Baum.

Dunkle Wellen rollen über die Heyde.

Die See ist stürmisch darunter.

Die Hirsche steigen vom Hügel herab.

Kein Jäger wird in der Ferne gesehn.

Es ist Mittag: aber alles [ist] still.

Traurig sind meine einsamen Gedanken.

Erschienst du aber, [meine] Geliebte,

wie ein Wandrer auf der Heyde!

dein Haar fliegend im Wind hinter dir;

dein Busen, sichtbar, aufwallend,

deine Augen, [voll] Thränen, für deine Freunde,

die der Nebel [des Hügels] verbarg!

Dich wollt ich trösten, [meine] Geliebte,

dich wollt' ich führen zum Hause meines Vaters!

Aber ist sie es, die dort

wie ein Strahl des Lichts auf der Heyde erscheint?

Kommst du, o Mädchen, über Felsen, über Berge zu mir,

schimmernd, wie im Herbste der Mond,

wie die [Sonne in einem] Sturme des Sommers?

Sie spricht: aber wie schwach ist ihre Stimme!

wie das Lüftchen im Schilfe der See.

Vinvela:

Kehrst du vom Kriege unbeschädigt zurück?

Wo sind deine Freunde, mein Geliebter?

Ich vernahm deinen Tod auf dem Hügel;

ich vernahm ihn und betraurte dich[, Shilric]!

Shilric:

Ja, meine Schönste, ich [kehre] zurück;

aber allein von meinem Geschlecht.

Du sollst jene nicht mehr erblicken:

ich hab' ihre Gräber auf der Fläche errichtet.

Aber warum bist du am Hügel der Wüste?

Warum allein auf [der Heyde]?

Vinvela:

O Shilric, ich bin allein!

allein in der Winterbehausung.

Ich starb für Schmerz wegen dir.

Shilric, ich lieg' erblaßt in dem Grab.

Shilric

Sie gleitet, sie durchsegelt die Luft;

wie Nebel vorm Wind. Und,

willst du nicht bleiben[, Vinvela]?

Bleib, [und] beschau meine Thränen!

zierlich erscheinst du[, Vinvela]!

im Leben [warest] du schön!

Ich will sitzen bey der moosigten Quelle;

am Gipfel des [stürmischen] Hügels.

Wenn alles im Mittag [herumschweigt],

dann sprich mit mir, o Vinvela!

komm auf dem leicht beflügelten Hauche!

auf dem Lüftchen der Einöde, komm!

laß mich, wenn du vorbeygehst, deine Stimme vernehmen;

wenn alles im Mittag [herumschweigt]!