Das Abendrot
Schubert, Franz
Der Abend blüht!
Der Westen glüht!
Wo bist du holdes Licht entglommen?
Aus welchem Stern [herabgeschwommen]?
Ein lichter Brand
Flammt See und Land.
Es lodern in dem rothen Scheine
Die Fluren rings und rings die Hayne.
Wie sieht so hehr
Das düstre Meer!
Die Welle tanzt des Glanzes trunken,
Und sprüht lusttaumelnd Feuerfunken.
Es mahlt der Strahl
Das liebe Thal,
Das sie bewohnt der Holden Holde,
Mit Rosengluth und mattem Golde.
Geuß, Hesperus
Mit leisem Gruß
Auf sie, den Inhalt meiner Lieder,
Die schönsten deiner Rosen nieder.
Viel schöner blüht
Viel wärmer glüht
Die blasse Rose ihrer Wangen,
Und weckt inbrünstiges Verlangen.
Von ihr Ein Blick,
Ein trauter Nick
Durchzuckt elektrisch Mark und Leben,
Und macht den feinsten Nerv erbeben.
Drum Hesperus,
Beut Gruß und Kuß
Der Herrlichen, der Tadellosen,
Und opfr' ihr deine schönsten Rosen.
Bewunderung
Und Huldigung
Heischt nur das Schön, das ewig lebet,
Weil Huld und Heiligkeit es hebet.