Das Finden

Schubert, Franz

Ich hab' ein Mädchen funden

Sanft, edel, deutsch und gut.

Ihr Blick ist mild und glänzend,

Wie Abendsonnengluth,

Ihr Haar wie Sommerweben,

Ihr Auge veilchenblau.

Dem Rosenkelch der Lippen

Entquillt Gesang wie Thau.

Ihr Bau ist hoch und herrlich.

Ihr Wuchs wie tief im Hayn

Der Birke schlanke Schönheit,

Ihr Busen schwanenrein.

Im hohen Schwanenbusen

Klopft ihr ein edel Herz,

Das kennt nicht Zwang noch Launen,

Nicht freche Lust noch Schmerz.

In Dustra's grüner Wildniß,

Am klaren Rinval-Fluß

Wallt einsam und verlohren

Des holden Mädchens Fuß.

Sie schwebt dahin. Ein Kränzchen

Schmückt ihr das Haar. Es schmückt

Ein Strauß den hohen Busen,

Den sie im Thau gepflückt.

Das Mädchen hab' ich funden.

Im keuschen Frühgewand

Ging sie im Duft der Frühe

An Rinvals Blumenrand.

Ein leises Lüftchen ringelt'

Ihr wellenströmend Haar,

Und durch die Erlen hallte

Ihr Liedchen süß und klar.

Ich lag in Kleegedüften

Am blaubeblümten Bach;

Ich bebt' empor und schaute

Dem edeln Mädchen nach.

Verzeuch, verzeuch, du Holde!

Dein Blick ist lieb und gut.

Auch ich bin deutsch und edel,

Ein Jüngling fromm und gut.

Sie wandte sich, sie säumte,

Sie winkte freundlich mir;

Froh ihres Blicks und Winkes,

Flog ich entzückt zu ihr.

Erhaben stand und heilig

Vor mir das hohe Weib.

Ich aber schlang vertraulich

Den Arm um ihren Leib.

Ich hab' das edle Mädchen

An meiner Hand geführt;

Ich bin mit ihr am Staden

Des Bachs hinab spatziert.

Ich hab' sie liebgewonnen.

Ich weiß, sie ist mir gut.

Drum sey mein Lied ihr eigen,

Ihr eigen Gut und Blut.