Das Geheimnis

Schubert, Franz

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,

Zu viele Lauscher waren wach,

Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,

Und wohl verstand ich, was er sprach.

Leis [komm'] ich her in deine Stille,

Du schön belaubtes [Buchenzelt],

Verbirg in deiner grünen Hülle

Die Liebenden dem Aug' der Welt!

Von ferne mit verworrnem Sausen

Arbeitet der geschäft'ge Tag,

Und durch der Stimmen hohles Brausen

Erkenn' ich schwerer Hämmer Schlag.

So sauer ringt die kargen Loose

Der Mensch dem harten Himmel ab,

Doch leicht erworben, aus dem Schooße

Der Götter fällt das Glück herab.

Daß ja die Menschen nie es hören,

Wie treue Lieb' uns still beglückt!

Sie können nur die Freude stöhren,

Weil Freude nie sie [selbst entzückt].

Die Welt wird nie das Glück erlauben,

Als Beute [wird es nur] gehascht,

Entwenden mußt du's oder rauben,

Eh [dich die Mißgunst] überrascht.

Leis auf den [Zähen] kommt's geschlichen,

Die Stille liebt es und die Nacht,

Mit schnellen Füßen ist's entwichen,

Wo des Verräthers Auge wacht.

O schlinge dich, du sanfte Quelle,

Ein breiter Strom um uns herum,

Und drohend mit empörter Welle

Vertheidige dieß Heiligthum.