Das Lied im Grünen

Schubert, Franz

Ins Grüne, ins Grüne!

Da lockt uns der Frühling der liebliche Knabe,

Und führt uns am blumenumwundenen Stabe,

Hinaus, wo die Lerchen und Amseln so wach,

In Wälder, auf Felder, auf Hügel, zum Bach,

Ins Grüne, ins Grüne.

Im Grünen, im Grünen!

Da lebt es sich wonnig, da wandeln wir gerne,

Und heften die Augen dahin schon von ferne;

Und wie wir so wandeln mit heiterer Brust,

Umwallet uns immer die kindliche Lust,

Im Grünen, im Grünen.

Im Grünen, im Grünen,

Da ruht man so wohl, [und] empfindet so schönes,

Und denket behaglich an Dieses und Jenes,

Und zaubert von hinnen, ach! was uns bedrückt,

Und alles herbey, was den Busen entzückt,

Im Grünen, im Grünen.

Im Grünen, im Grünen,

Da werden die Sterne so klar, die die Weisen

Der Vorwelt zur Leitung des Lebens uns preisen.

Da streichen die Wölkchen so zart uns dahin,

Da heitern die Herzen, da klärt sich der Sinn,

Im Grünen, im Grünen.

Im Grünen, im Grünen,

Da wurde manch Plänchen auf Flügeln getragen,

Die Zukunft der grämlichen [Ansicht] entschlagen.

Da stärkt sich das Auge, da labt sich der Blick,

[Da tändeln die Wünsche dahin] und zurück,

Im Grünen, im Grünen.

Im Grünen, im Grünen,

Am Morgen, am Abend, in traulicher Stille,

[Da wurde] manch Liedchen und manche Idylle

Gedichtet, gespielt, in Sehnsucht und Scherz.

Denn leicht ist die Lockung, empfänglich das Herz

Im Grünen, im Grünen.

Ins Grüne, ins Grüne!

Laßt heiter uns folgen dem freundlichen Knaben!

Grünt einst uns das Leben nicht [mehr, ey!] so haben

Wir klüglich die grünende Zeit nicht versäumt,

Und, [seit] es gegolten, doch glücklich geträumt,

Im Grünen, im Grünen.