Das Sehnen

Schubert, Franz

Wehmuth, die mich hüllt,

Welche Gottheit stillt

Mein unendlich Sehnen?

Die ihr meine Wimper näßt,

Namenlosen Gram entpreßt,

Fliesset, fliesset Thränen!

Mond, der lieb und traut

In mein Fenster schaut,

Sage, was mir fehle?

Sterne, die ihr droben blinkt,

Holden Gruß mir freundlich winkt,

Nennt mir, was mich quäle.

Leise [Schauer wehn],

Süsses [Liebeflehn]

Girrt um mich im Düstern.

Rosen und Violenduft

Würzen rings die Zauberluft,

Holde Stimmen flüstern.

In die Ferne strebt!

Wie auf Flügeln schwebt

Mein erhöhtes Wesen.

Fremder Zug, geheime Kraft,

Namenlose Leidenschaft,

Laß, ach laß genesen!

Aengstender beklemmt

Mich die Wehmuth, hemmt

Athem mir und Rede.

Einsam schmachten, o der Pein!

O des Grams, allein zu seyn

In des Lebens Oede.

Ist denn ach kein Arm,

Der in Freud' und Harm

Liebend mich umschlösse?

Ist denn ach kein fühlend Herz,

Keines, drinn in Lust und Schmerz

Meines sich ergösse?

Die ihr einsam klagt,

Einsam wenn es tagt,

Einsam wenn es nachtet.

Ungeströstet ach, verächzt

Ihr das holde Daseyn, lechzt,

Schmachtet und verschmachtet.