Das Traumbild

Schubert, Franz

Geliebtes Bild, das mir mit Feurentzücken

Die Seele füllt!

Wann werd' ich dich an meinen Busen drücken,

Geliebtes Bild?

Wann mich am Bach', im Wehn der Pappelweide,

Der Schlaf umwallt,

Erscheinst du mir im weissen Abendkleide,

Du Lichtgestalt!

Du flatterst oft in früher Morgenstunde

Durch mein Gemach,

Und küssest mich mit deinem rothen Munde

Vom Schlummer wach.

Lang glaub' ich noch den Herzenskuß zu fühlen,

Der mich entzückt,

Und mit dem Strauß' an deiner Brust zu spielen,

Der mir genickt.

Jezt seh' ich dich, im Rauschen grüner Linden,

Ein goldnes Band

Um einen Kranz von Tausendschönchen winden

Mit weisser Hand;

Und bald darauf im kleinen Blumengarten,

Wie Eva schön,

Des Rosenbaums, des Nelkenstrauchs zu warten,

Am Beete gehn.

Erblick' ich dich, die ich vom Himmel bitte,

Erblick' ich dich,

So komm, so komm in meine Halmenhütte,

Und tröste mich!

Dir soll ein Beet, wo tausend Blumen wanken,

Entgegenblühn;

Ich will ein Dach von jungen Geisblattranken

Für dich erziehn;

Ins Paradies an deiner Brust mich träumen,

Mein süsses Kind;

Und froher sein, als unter Lebensbäumen

Die Engel sind!