Das Weinen
Schubert, Franz
Gar tröstlich kommt geronnen
Der Thränen heil'ger Quell
Recht wie ein Heilungs-Bronnen,
So bitter, heiß und hell.
Darum du Brust voll Wunden,
Voll Gram und stiller Pein,
Und willst du bald gesunden,
So tauche da hinein.
Es wohnt in diesen Wellen
Geheime Wunderkraft,
Die ist für wehe Stellen
Ein linder Balsamsaft.
Die wächst mit deinen Schmerzen,
Und fasset, hebt und rollt
Den bösen Stein vom Herzen,
Der dich [zerdrücken] wollt'.
Das hab' ich selbst empfunden
[Hier in dem] Trauerland,
Wenn ich, vom Flor umwunden,
An lieben Gräbern stand.
Da schalt in irrem Wähnen
Ich selbst auf meinen Gott,
Es hielten nur die Thränen
Der Hoffnung Schiffchen flott.
Drum, hält dich [auch] umfangen
Der Schwermuth trübste Nacht,
Vertrau' in allem Bangen
Der Thränen Zaubermacht.
Bald, wenn vom heißen Weinen
Dir roth das Auge glüht,
Wird neu der Tag erscheinen;
Weil schon der Morgen blüht.