Der Abend
Schubert, Franz
Der Abend blüht,
[Temora] glüht
Im Glanz der tiefgesunknen Sonne.
Es küßt die See
Die Sinkende,
Von Ehrfurcht [schaudernd] und von Wonne.
Ein grauer Duft
Durchwebt die Luft,
Umschleyert [Daura's] güldne Auen.
Es rauscht umher
Das düstre Meer,
Und rings herrscht [ahnungsreiches] Grauen.
O trautes Land!
O heil'ger Strand!
O Flur, die jede Flur verdunkelt.
Flur, deren Schoß
Die Blum' entsproß,
Die alle Blumen überfunkelt.
Paart nicht den Schnee
Der Lilie
Die Holde mit der Gluth der Rosen.
Die Au', Ein Kranz
Voll Duft und Glanz,
Reicht ihr den Preis, der Tadellosen.
Ihr Ambraduft
Durchweht die Luft
Und würzet rings die Näh' und Ferne.
Und stirbt das Licht
Des Liedes nicht,
So reicht ihr Nam' einst an die Sterne.
O trautes Land,
O hehrer Strand,
Sey stolz auf deiner Blumen Blume.
Das heil'ge Meer
Und rings umher
Die Inseln huld'gen deinem Ruhme - -
Nacht hüllt den Strand,
[Temora] schwand.
Verlodert sind des [Spatroths] Gluthen.
Das Weltmeer grollt,
Und gluthrot rollt
Der Vollmond aus den düstern Fluthen.