Der Entfernten
Schubert, Franz
Wohl denk' ich allenthalben,
O du Entfernte, dein!
Früh, wenn die Wolken [falben],
Und spät im Sternenschein.
Im Grund des Morgengoldes,
Im rothen Abendlicht,
Umschwebst du mich, o holdes,
Geliebtes Traumgesicht!
Es folgt in alle Weite
Dein trautes Bild mir nach,
Es wallt mir stets zur Seite,
Im Träumen oder wach;
Wenn Lüfte sanft bestreifen
Der See beschilften Strand,
Umflüstern mich die Schleifen
Von seinem Busenband.
Ein Abglanz seines Schleyers
Scheint auf die Saat gewebt;
Sein Hauch, was des Gemäuers
Bewegten Eppich hebt;
Der Kleidung weiche Falten,
Geformt aus Glanz und Duft,
Entschwinden in den Spalten
Der öden Felsenkluft.
Wo rauschender und trüber
Der Strom Gebirge trennt,
Weht oft sein Laut herüber,
Den meine Seele kennt;
Wenn ich den Fels erklimme,
Den noch kein Fuß erreicht,
Lausch' ich nach jener Stimme,
Doch Kluft und Echo schweigt.
Wo durch die Nacht der Fichten
Ein Dämm'rungsflimmer wallt,
Seh' ich dich zögernd flüchten,
Geliebte Luftgestalt!
Wenn sanft dir nachzulangen,
Der Sehnsucht Arm sich hebt,
Ist dein Phantom zergangen,
Wie Thaugedüft verschwebt.