Der Flüchtling

Schubert, Franz

Frisch athmet des Morgens lebendiger Hauch,

Purpurisch [zuckt durch düst'rer Tannen Ritzen]

Das junge Licht, und äugelt aus dem Strauch,

In gold'nen [Flammen blitzen]

Der Berge Wolkenspitzen,

Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied

Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,

Die schon in lachender Wonne

Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht.

Sei Licht mir gesegnet!

Dein [Strahlenguß] regnet

Erwärmend hernieder auf Anger und Au.

[Wie silberfarb flittern

Die Wiesen, wie zittern]

Tausend Sonnen [im perlenden] Thau!

In säuselnder Kühle

Beginnen die Spiele

Der jungen Natur,

Die Zephyre kosen

Und schmeicheln um Rosen,

Und Düfte beströmen die lachende Flur.

Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen,

Laut wiehern und schnauben und knirschen und [strampfen]

Die Rosse, die Farren,

Die Wagen erknarren

Ins ächzende Thal.

Die Waldungen leben,

Und Adler, und Falken und Habichte schweben,

Und wiegen die Flügel im blendenden Stral.

Den Frieden zu finden,

Wohin soll ich wenden

[Am elenden] Stab?

Die lachende Erde

Mit Jünglingsgebärde,

[Für mich nur] ein Grab!

Steig empor, o Morgenroth, und röthe

Mit [purpurnem Kusse] Hain und Feld,

Säusle nieder [Abendroth] und flöte

[Sanft in Schlummer] die [erstorb'ne] Welt.

Morgen - ach! du röthest

Eine Todtenflur,

Ach! und du, o Abendroth! umflötest

Meinen langen Schlummer nur.