Der gute Hirt
Schubert, Franz
Was sorgest du? Sey stille, meine Seele!
Denn Gott ist ein [getreuer] Hirt,
Der mir, auch wenn ich mich nicht quäle,
Nichts mangeln lassen wird.
Er weidet mich auf bluhmenreicher Aue,
[Und] führt mich frischen Wassern zu,
Und bringet mich, im kühlen Thaue,
Zur sichern Abendruh.
Er hört nicht auf, mich liebreich zu beschirmen,
Im Schatten vor des Tages Glut,
In seinem Schooße vor den Stürmen
Und schwarzer Bosheit Wuth.
Auch wenn er mich durch finstre Thäler leiten,
Mich durch die Wüste führen wird,
Will ich nichts fürchten! Mir zu Seiten
Geht dieser treue Hirt.
Ich sehe schon, daß mir von meinem Freunde
Ein reicher Tisch bereitet ist,
Im Angesichte meiner Feinde,
Trotz ihrer Hinterlist.
Sie sehn den Schutz des [Höchsten, und sie] schämen
Sich [ihrer schwach erfundnen] Macht.
Wie sollten mir die Menschen nehmen,
Was Gott mir zugedacht!
Ich aber will ihn preisen und ihm danken!
Ich halt an meinem Hirten fest;
Und mein Vertrauen soll nicht wanken,
Wenn alles mich verläßt.