Der Jüngling am Bache

Franz Peter Schubert

An der Quelle saß der Knabe,

Blumen wand er sich zum Kranz,

Und

er sah sie fortgerissen

Treiben in der Wellen Tanz.

Und so fliehen

meine Tage

Wie die Quelle rastlos hin!

Und so bleichet

meine Jugend,

Wie die Kränze schnell verblühn!

Fraget nicht, warum ich traure

In des Lebens Blüthenzeit!

Alles freuet sich und hoffet,

Wenn der Frühling sich erneut.

Aber diese

tausend Stimmen

Der erwachenden Natur

Wecken in dem tiefen Busen

Mir den schweren Kummer nur.

Was soll

mir die Freude frommen,

Die der schöne Lenz mir beut?

Eine nur ists, die ich suche,

Sie ist nah und

ewig weit.

Sehnend breit ich meine Arme

Nach dem theuren Schattenbild,

Ach ich kann es nicht erreichen,

Und das Herz bleibt

ungestillt!

Komm herab, du schöne Holde

Und verlaß dein stolzes Schloß!

Blumen, die der Lenz geboren,

Streu ich dir in deinen Schoß.

Horch, der Hain erschallt von Liedern

Und die Quelle rieselt klar!

Raum ist in der kleinsten Hütte

Für ein glücklich liebend Paar.