Der Jüngling auf dem Hügel

Schubert, Franz

Ein Jüngling auf dem Hügel

Mit seinem Kummer saß,

Wohl ward der Augen Spiegel

Ihm trüb' und tränennaß.

Sah frohe Lämmer spielen

Am grünen Felsenhang,

Sah frohe Bächlein quillen

Das bunte Tal entlang;

Die Schmetterlinge sogen

Am roten Blütenmund,

Wie Morgenträume flogen

Die Wolken in dem Rund;

Und alles war so munter,

Und alles schwamm in Glück,

Nur in sein Herz hinunter

Sah nicht der Freude Blick.

Ach, dumpfes Grabgeläute

Im Dorfe nun erklang,

Schon tönte aus der Weite

Ein klagender Gesang;

Sah nun die Lichter [scheinen],

Den schwarzen Leichenzug,

Fing bitter an zu [weinen],

Weil man sein Röschen trug.

Jetzt ließ den Sarg man nieder,

Der Totengräber kam,

Und gab der Erde wieder,

Was Gott aus selber nahm.

Da schwieg des Jünglings Klage,

Und betend ward sein Blick,

Sah schon am schönern Tage

Des Wiedersehens Glück.

Und wie die Sterne kamen,

Der Mond heraufgeschifft,

[Da las] er in den Sternen

Der Hoffnung hohe Schrift.