Der Mondabend

Schubert, Franz

Rein und freundlich lacht der Himmel

Nieder auf die dunkle Erde;

Tausend goldne Augen blinken

Lieblich in die Brust der Menschen,

Und des Mondes lichte Scheibe

Segelt heiter durch die Bläue.

Auf den goldnen Strahlen zittern

Süßer Wehmuth Silbertropfen,

Dringen sanft mit leisem Hauche

In das stille Herz voll Liebe,

Und befeuchten mir das Auge

Mit der Sehnsucht zartem Thaue.

Funkelnd prangt der Stern des Abends

In den lichtbesäten Räumen,

Spielt mit seinen Demantblitzen

Durch der Lichte Duftgewebe,

Und viel' holde Engelsknaben

Streuen Lilien um die Sterne.

Schön und hehr ist wohl der Himmel

In des Abends Wunderglanze;

Aber meines Lebens Sterne

Wohnen in dem kleinsten Kreise:

In das Auge meiner Silli

Sind sie alle hingezaubert.