Der Schäfer und der Reiter
Schubert, Franz
Ein Schäfer saß im Grünen,
Sein Liebchen süß im Arm;
Durch [Buchenwipfel] schienen
Der Sonne Strahlen warm.
[Er kos'te] froh und heiter
Von Liebeständeley.
Da ritt bewehrt ein Reiter
[Den] Glücklichen vorbey.
»Sitz' ab, und suche Kühle!«
Rief ihm der Schäfer zu.
»Des Mittags nahe Schwüle
Gebiethet stille Ruh'.
Noch lacht im Morgenglanze
So Strauch als Blume hier,
Und Liebchen pflückt zum Kranze
Die [frischen] Blüthen dir.«
Da sprach der finstre Reiter:
»Nie [hielt] mich Wald und Flur.
Mich treibt mein Schicksal weiter,
Und ach, mein ernster Schwur!
Ich gab mein [frisches] Leben
Dahin um schnöden Sold;
Glück kann ich nicht erstreben,
Nur höchstens Ruhm und Gold.
Drum schnell, mein Roß, und trabe
Vorbey, wo Blumen blüh'n.
Einst lohnt wohl Ruh' im Grabe
Des Kämpfenden Bemüh'n.«