Der Traum

Franz Peter Schubert

Ich

träumt', ich war ein Vögelein,

Und flog auf ihren Schooß,

Und zupft' ihr, um nicht laß zu seyn,

Die Busenschleifen los.

Und flog, mit gaukelhaftem Flug,

Dann auf die weiße Hand,

Dann wieder auf das Busentuch,

Und pickt' am rothen Band.

Dann schwebt' ich auf ihr blondes Haar,

Und zwitscherte vor Lust,

Und ruhte, wann ich müde war,

An ihrer weißen Brust.

Kein Veilchenbett' im Paradies

Geht diesem Lager vor.

Wie schlief sichs da so süß, so süß,

Auf

ihres Busens Flor!

Sie spielte, wie ich tiefer sank,

Mit leisem Fingerschlag,

Der mir durch Leib und Leben

drang,

Mich

frohen Schlummrer wach;

Sah mich so wunderfreundlich an,

Und bot den Mund mir dar,

Daß ich es nicht beschreiben kann,

Wie froh, wie froh ich war.

Da trippelt' ich auf einem Bein,

Und hatte so mein Spiel,

Und spielt' ihr mit dem Flügelein

Die rothe Wange kühl.

Doch ach! kein Erdenglück besteht,

Es sey Tag

oder Nacht!

Schnell war mein süßer Traum verweht,

Und ich war aufgewacht.