Der Unglückliche

Schubert, Franz

Die Nacht bricht an; mit leisen Lüften sinket

Sie auf die müden Sterblichen herab.

Der sanfte Schlaf, des Todes Bruder, winket,

Und legt [sie freundlich] in ihr täglich Grab.

Jetzt wachet auf der lichtberaubten Erde

Vielleicht nur noch die Arglist und der Schmerz;

Und jetzt, da ich durch nichts gestöret werde,

Laß deine Wunden bluten, armes Herz!

Versenke dich in deines Kummers Tiefen,

Und wenn vielleicht in der zerriss'nen Brust

[Verjährte, halb vergess'ne] Leiden schliefen,

So wecke sie mit grausam süßer Lust!

Berechne die verlornen Seligkeiten,

Zähl' alle Blumen in dem Paradies,

Woraus in deiner Jugend goldnen Zeiten

Die [kalte] Hand des Schicksals dich verstieß!

Du hast geliebt, du hast das Glück empfunden,

Dem [jede] Seligkeit [der Erde] weicht,

Du hast ein Herz, das dich verstand, gefunden,

[Der kühnsten Hoffnung schönes] Ziel erreicht.

Da stürzte dich ein [grausam] Machtwort [nieder

Aus deinen Himmeln], und dein stilles Glück,

[Das allzu schöne] Traumbild, kehrte wieder

Zur bessern Welt, aus der es kam, zurück.

Zerrissen sind nun [alle] süßen Bande;

[Mir schlägt] kein Herz mehr auf der weiten Welt!

Was ist's, das mich in diesem [Schattenlande],

In dieser [todten] Einsamkeit noch hält?

Nur [Einen Lichtstrahl seh' ich fernher] blinken;

Im Götterglanz erscheint die heil'ge Pflicht:

Und wenn des müden Geistes Kräfte sinken,

So sinkt der Muth, den sie mir einflößt, nicht.