Der Vatermörder

Schubert, Franz

Ein Vater starb von [Sohnes] Hand.

Kein Wolf, kein Tyger, nein!

Der [Mensch], der Thiere Fürst, erfand

Den Vatermord allein.

Der Thäter floh, um dem Gericht

Sein Opfer zu entziehn,

In einen Wald; doch konnt' er nicht

Den innern Richter fliehn.

[Verzehrt], und hager, stumm und bleich,

Mit Lumpen angethan,

Dem Dämon der Verzweiflung gleich,

Traf ihn ein Häscher an.

Voll Grimm zerstörte der Barbar

Ein Nest mit einem Stein,

Und mordete die kleine Schaar

Der armen Vögelein.

Halt ein! rief ihm der Scherge zu,

Verruchter [Schadenfroh]!

Mit welchem Rechte marterst du

Die frommen Thierchen so?

Was fromm, sprach jener, den die Wuth

Kaum hörbar stammeln ließ;

Ich that es, weil die Höllenbrut

Mich Vatermörder hieß.

Der Mann beschaut ihn; seine That

Verräth sein irrer Blick.

Er faßt den Mörder, und das Rad

Bestraft sein Bubenstück.

[Du, heiliges Gewissen, bist

Der Tugend letzter Freund.

Ein schreckliches Triumphlied ist

Dein Donner ihrem Feind.]