Des Fräuleins Liebeslauschen

Schubert, Franz

Da unten steht ein Ritter

Im weißen Mondenstrahl;

Es tönet seine Zitter

Von treuer Liebe Qual:

* * *

»Lüfte spannt die blauen Schwingen

Still für meine Botschaft aus,

Ruft sie mit dem leisen Klingen

An dieß Fensterchen heraus!

Sagt ihr, daß im Blätterdache

Seufze ein bekannter Laut;

Sagt ihr, daß noch Einer wache

Und die Nacht sey kühl und traut

Sagt ihr, wie der Mond so helle

Auf ihr Fenster streut sein Licht;

Sagt ihr, wie der Wald, die Quelle

Heimlich und von Liebe spricht!!

Laß ihn leuchten durch die Bäume

Deines Bildes süßen Schein;

Das sich hold in meine Träume

Und mein Wachen webet ein! -«

* * *

Doch drang die zarte Weise

Wohl nicht zu ihrem Ohr;

Der Sänger schwang sich leise

Zum Fensterlein empor.

Und oben zog der Ritter

Ein Kränzchen aus der Brust,

Das band er fest [an's] Gitter

Und seufzte: »[Blüh'] in Lust -

Und fragt sie, wer euch brachte,

Dann Blumen thut ihr kund -«

Ein Stimmchen unten lachte:

»»Dein Ritter Liebemund!«« -