Die Blumensprache

Schubert, Franz

Es deuten die Blumen des Herzens Gefühle,

Sie sprechen manch heimliches Wort;

Sie neigen sich traulich am schwankenden Stiele,

Als zöge die Liebe sie fort.

Sie bergen verschämt sich im deckenden Laube,

Als hätte verrathen der Wunsch sie dem Raube.

Sie deuten im leise bezaubernden Bilde

Der Frauen, der [Mägdelein] Sinn;

Sie deuten, das Schöne, die Anmuth, die Milde,

Sie deuten des Lebens Gewinn:

Es hat mit der Knospe, so heimlich verschlungen,

Der Jüngling die Perle der Hoffnung [errungen].

Sie weben der Sehnsucht, des Harmes Gedanken

Aus Farben ins duftige Kleid.

Nichts frommen der Trennung gehässige Schranken,

Die Blumen verkünden das Leid.

Was laut nicht der Mund, der bewachte, darf sagen,

Das waget die Huld sich in Blumen zu klagen.

Sie winken in lieblich gewundenen Kränzen

Die Freude zum festlichen Kreis,

Wenn flatternd das ringelnde Haar sie umglänzen,

Dem Bacchus, der Venus zum Preis;

Denn arm sind der Götter erfreuende Gaben,

Wenn Leier und Blumen das Herz nicht erlaben.