Die drei Sänger

Schubert, Franz

Der König saß beym frohen Mahle,

Die Frau'n und Ritter um sich her;

Es kreis'ten festlich die Pokale,

Und manches Becken trank man leer;

Da tönte Klang von gold'nen Saiten,

Der süßer labt, als goldner Wein,

Und, sieh! - drey fremde Sänger schreiten,

Sich neigend, in den Saal hinein.

»Seyd mir gegrüßt, ihr Liedersöhne,«

Beginnt der König, wohlgemuth,

»In deren Brust das Reich der Töne

Und des Gesangs Geheimniß ruht!

Wollt ihr den edlen Wettstreit wagen;

So soll es höchlich uns erfreu'n,

Und wer den Sieg davon getragen,

Mag unsers Hofes Zierde seyn!«

Er spricht's. - Der Erste rührt die Saiten,

Die Vorwelt öffnet er dem Blick,

Zum grauen Anfang aller Zeiten

Lenkt er der Hörer Schaar zurück;

Er meldet: wie sich, neugeboren,

Die Welt dem Chaos einst entwand;

Sein Lied behagt den feinsten Ohren,

Und willig folgt ihm der Verstand.

Drauf, mehr die Hörer zu ergetzen,

Erklingt des zweyten lust'ge Mähr':

Von Gnomen, Fei'n und ihren Schätzen,

Und von der grünen Zwerge Heer;

Er singt von manchen Wunderdingen,

Von manchem Schwanke, schlau erdacht;

Da regt der Scherz die losen Schwingen,

Und jeder Mund im Saale lacht.

Und an den Dritten trifft die Reihe. -

Und sanft, aus tief bewegter Brust,

Haucht er ein Lied von Lieb' und Treue,

Und von der Sehnsucht Schmerz und Lust,

Und kaum, daß seine Saiten klingen,

Schaut jedes Antlitz in den Schooß,

Und Thränen des Gefühles ringen

Sich aus verklärten Augen los.

Und tiefes Schweigen herrscht im Saale,

Als seines Liedes Ton entschwand. -

Da steht der König auf vom Mahle,

Und reicht dem Dritten seine Hand.

»Bleib' bey uns, Freund! Dir ist's gelungen,

Du bist es, dem der Preis gebührt;

Das schönste Lied hat der gesungen,

Der unser Herz zur Wehmuth rührt.«