Die Einsiedelei
Schubert, Franz
Amat nemus et fugit urbes.
Horat.
Es rieselt, klar und wehend,
Ein Quell im Eichenwald;
Da [wähl'] ich, einsam gehend,
Mir meinen Aufenthalt.
Mir dienet zur Capelle
Ein Gröttchen, duftigfrisch;
Zu meiner Klausnerzelle
Verschlungenes Gebüsch.
Zwar düster ist und trüber
Die nahe Wüsteney;
Allein nur desto lieber
Der stillen Fantasey.
Da ruh' ich oft im dichten,
Beblümten Heidekraut;
Hoch wehn die schwanken Fichten,
Und stöhnen Seufzerlaut.
Wo von Wacholdersträuchen
Den Kieselsteig hinan
Verworrne Ranken schleichen,
Da brech' ich mir die Bahn;
Durch des Gehaues Stumpen,
Wo wilde Erdbeern stehn,
Klimm' ich auf Felsenklumpen,
Das Land umher zu sehn.
Nichts [unterbricht das] Schweigen
Der Wildniß weit und breit,
Als wenn auf dürren Zweigen
Ein Grünspecht hackt und schreyt,
Ein Rab' auf hoher Spitze
[Bemooster] Tannen krächzt,
Und in der Felsenritze
Ein Ringeltäubchen ächzt.
Wie sich das Herz erweitert
Im engen, dichten Wald!
Den öden Trübsinn heitert
Der traute Schatten bald.
Kein [überleg'ner] Späher
Erforscht hier meine Spur;
Hier bin ich frey und näher
Der Einfalt und Natur.
O [blieb'] ich von den Ketten
Des Weltgewirres frey!
Könnt' ich zu dir mich retten,
Du traute Siedeley!
Froh, daß ich dem Gebrause
Des [Menschenschwarms] entwich,
Baut' ich hier eine Klause
Für Liebchen und für mich.