Die Erscheinung

Schubert, Franz

Ich lag auf grünen Matten,

An klarer Quellen Rand.

Mir kühlten Erlenschatten

Der Wangen heissen Brand.

Ich dachte dieß und jenes,

Und träumte sanftbetrübt

Viel Süsses mir und Schönes,

Das diese Welt nicht giebt.

Und sieh dem Hayn entschwebte

Ein Mägdlein sonnenklar.

Ein weisser Schleyer webte

Um ihr nußbraunes Haar.

Ihr Auge feucht und schimmernd

Umfloß ätherisch Blau.

Die Wimpern nässte flimmernd

Der Wehmuth Perlenthau.

Ein traurend Lächeln schwebte

Um ihren süssen Mund.

Sie schauerte, sie bebte.

Ihr Auge thränenwund,

Ihr Hinschaun liebesehnend,

So wähnt' ich, suchte mich.

Wer war wie ich so wähnend,

So selig wer, wie ich!

Ich auf sie zu umfassen -

Und ach! sie trat zurück.

Ich sah sie schnell erblassen,

Und trüber ward ihr Blick.

Sie sah mich an so innig,

Sie wies mit ihrer Hand,

Erhaben und tiefsinnig

Gen Himmel, und verschwand.

Fahr wohl, fahr wohl, Erscheinung!

Fahr wohl, dich kenn' ich wohl!

Und deines Winkes Meinung

Versteh' ich, wie ich soll! -

Wohl für die Zeit geschieden

Eint uns ein schön'res Band.

Hoch droben, nicht hienieden,

Hat Lieb' ihr Vaterland.