Die Fröhlichkeit

Schubert, Franz

Weß Adern leichtes Blut durchspringt,

Der ist ein reicher Mann;

Auch keine goldnen Ketten zwingt

Ihm Furcht und Hofnung an.

Denn Fröhlichkeit geleitet ihn

Bis an ein sanftes Grab

Wohl durch ein langes Leben hin

An ihrem Zauberstab.

Mit allen Menschen ausgesöhnt,

Liebt er als Brüder sie:

Der Rache helle Flamme brennt

In seinem Herzen nie.

Denn Freundschaft ist's, die das umflicht

Mit Armen ohne Zahl:

Drum haßt er seine Feinde nicht,

Und kennt sie nicht einmal.

Wohin sein muntrer Blick sich kehrt,

Ist alles schön und gut,

Ist alles hell und liebenswerth

Und fröhlich wie sein Muth.

Für ihn nur wird bey Sonnenschein

Die Welt zum Paradies,

Ist klar der Bach, die Quelle rein,

Und ihr Gemurmel süß.

In ewig wechselnder Gestalt

Labt ihn die Blumenflur,

Und nur für ihn wird nimmer alt

Die heilige Natur.

Drum wär' ich reich wie Crösus war,

Und mächtig oben drein,

Und wären Klumpen Goldes gar,

So groß wie Berge, mein;

Und wär' ich noch von Allem Herr,

Was von der Nordsee an

Bis tief hinab ans schwarze Meer

Je Menschenaugen sahn;

Und hätte frohes Muthes nicht,

So senkt' ich trüb den Blick;

Ich dünkte mir ein armer Wicht,

Und spräche zu dem Glück:

O Göttinn, ist mein Wohl dir lieb,

So höre mich! nimm hier

Zurück dieß alles, aber gieb

Mir leichtes Blut dafür!

Denn Fröhlichkeit macht reich und frey,

Und nur der seltne Mann

Ist glücklich, sey er, wer er sey,

Der sie erhalten kann.