Die Mondnacht
Schubert, Franz
Siehe wie die Mondesstrahlen
Busch und Flur in Silber mahlen!
Wie das Bächlein rollt und flimmt!
Strahlen regnen, Funken schmettern
Von den sanftgeregten Blättern,
Und die Thauflur glänzt und glimmt.
Glänzend erdämmern der Berge Gipfel,
Glänzend der Pappeln wogende Wipfel.
Durch die glanzberauschten Räume
Flüstern Stimmen, gaukeln Träume
Sprechen mir vertraulich zu.
Seligkeit, die mich gemahnet,
Höchste Lust, die süß mich schwanet,
Sprich, wo blühst, wo zeitigst du?
Sprenge die Brust nicht mächtiges Dehnen;
Löschet die Wehmuth, labende Thränen.
Wie, ach wie der Qual genesen?
Wo, ach wo ein liebend Wesen,
Das die süßen Qualen stillt?
Eins ins andre gar versunken,
Gar verloren, gar ertrunken,
Bis sich jede Oede füllt -
Solches, ach, wähn' ich, kühlte das Sehnen;
Löschte die Wehmuth mit köstlichen Thränen.
Eine weiß ich, ach nur Eine,
Dich nur weiß ich, dich o Reine,
Die des Herzens Wehmuth meint.
Dich umringend, von dir umrungen,
Dich umschlingend, von dir umschlungen,
Gar in Eins mit dir geeint - -
Schon', ach schone den Wonneversunknen.
Himmel und Erde verschwinden dem Trunknen.