Die Täuschung

Schubert, Franz

Im Erlenbusch, im Tannenhayn,

Im Sonn- und Mond- und Sternenschein

Umlächelt mich ein Bildniß.

Vor seinem Lächeln klärt sich schnell

Die Dämmerung in Himmelhell,

In Paradies die Wildniß.

Es säuselt in der Abendluft,

Es dämmert in dem Morgenduft,

Es tanzet auf der Aue,

Es flötet in der Wachtel Schlag,

Und spiegelt sich im klaren Bach,

Und badet sich im Thaue.

Es naht in holder Traulichkeit

Sich mir in tiefster Dunkelheit

So schüchtern und so leise.

Es lullt mich wohl in sanfte Ruh,

Und haucht im Schlaf mir Träume zu

Von wundersüsser Weise.

Ich öffn' ihm sehnend meinen Arm,

Und streb' es traut und liebewarm

An meine Brust zu drücken.

Ich hasch' und hasche leere Luft,

Und nichtig, wie ein Nebelduft,

Entwallt es meinen Blicken.

Wer bist du, holdes Luftgebild,

Das engelhold und engelmild

Mit Schmerz und Lust mich tränket?

Bist du ein Bote bessrer Welt,

Der mich aus diesem öden Feld

In seine Heimath winket?

O fleug voran! Ich folge dir.

Bey dir ist Seligkeit; nicht hier.

Sprich, wo ich dich erfasse,

Und ewig aller Pein entrückt,

Umstrickend dich, von dir umstrickt,

Dich nimmer, nimmer lasse.