Don Gayseros I

Schubert, Franz

"Don Gayseros, Don Gayseros,

Wunderlicher, schöner Ritter,

Hast mich aus der Burg beschworen,

Lieblicher, mit Deinen Bitten.

Don Gayseros, Dir im Bündniß,

Lockten Wald und Abendlichter.

Sieh mich hier nun, sag' nun weiter,

Wohin wandeln wir, Du Lieber?"

"Donna Clara, Donna Clara,

Du bist Herrin, ich der Diener,

Du bist Lenk'rin, ich Planet nur,

Süße Macht, o wollst gebieten!"

"Gut, so wandeln wir den Berghang

Dort am Kruzifixe nieder;

Wenden drauf an der Kapelle

Heimwärts uns, entlängst die Wiesen."

"Ach, warum an der Kapelle?

Ach, warum bei'm Kruzifixe?" -

"Sprich, was hast Du nun zu streiten?

Meint ich ja, Du wärst mein Diener."

"Ja, ich schreite, ja ich wandle,

Herrin ganz nach Deinem Willen." -

Und sie wandelten zusammen,

Sprachen viel von süßer Minne.

"Don Gayseros, Don Gayseros,

Sieh, wir sind am Kruzifixe,

Hast Du nicht Dein Haupt gebogen

Vor dem Herrn, wie andre Christen?"

"Donna Clara, Donna Clara,

Konnt' ich auf was anders blicken

Als auf Deine zarten Hände,

Wie sie mit den Blumen spielten?"

"Don Gayseros, Don Gayseros,

Konntest Du denn nichts erwiedern,

Als der fromme Mönch Dich grüßte,

Sprechend: Christus geb' Dir Frieden?"

"Donna Clara, Donna Clara,

Durft' ins Ohr ein Laut mir dringen,

Irgend noch ein Laut auf Erden,

Da Du flüsternd sprachst: Ich liebe?"

"Don Gayseros, Don Gayseros,

Sieh' vor der Kapelle blinket

Des geweihten Wassers Schaale!

Komm und thu' wie ich, Geliebter!"

"Donna Clara, Donna Clara,

Gänzlich muß ich jetzt erblinden,

Denn ich schaut' in Deine Augen,

Kann mich selbst nicht wieder finden."

"Don Gayseros, Don Gayseros,

Thu mir's nach, bist Du mein Diener,

Tauch' ins Wasser Deine Rechte,

Zeichn' ein Kreuz auf Deine Stirne."

Don Gayseros schwieg erschrocken,

Don Gayseros floh von hinnen;

Donna Clara lenkte bebend

Zu der Burg die scheuen Tritte.