Don Gayseros II
Schubert, Franz
Nächtens klang die süße Laute,
Wo sie oft zu Nacht geklungen,
Nächtens sang der schöne Ritter,
Wo er oft zu Nacht gesungen.
Und das Fenster klirrte wieder,
Donna Clara schaut' herunter,
Aber furchtsam ihre Blicke
Schweifend durch das thau'ge Dunkel.
Und statt süßer Minnereden,
Statt der Schmeichelworte Kunde
Hub sie an ein streng Beschwören:
"Sag, wer bist Du, finstrer Buhle?"
"Sag, bei Dein' und meiner Liebe,
Sag, bei Deiner Seelen Ruhe,
Bist ein Christ Du? Bist ein Spanier?
Stehst Du in der Kirche Bunde?"
"Herrin, hoch hast Du beschworen,
Herrin, ja, Du sollst's erkunden.
Herrin, ach, ich bin kein Spanier,
Nicht in Deiner Kirche Bunde.
Herrin, bin ein Mohrenkönig,
Glüh'nd in Deiner Liebe Gluthen,
Groß an Macht und reich an Schätzen,
Sonder gleich an tapferm Muthe.
Röthlich blüh'n Granadas Gärten,
Golden stehn Alhambras Burgen,
Mohren harren ihrer Kön'gin, -
Fleuch mit mir durch's thau'ge Dunkel."
"Fort, Du falscher Seelenräuber,
Fort, Du Feind!" - Sie wollt' es rufen,
Doch bevor sie Feind gesprochen,
Losch das Wort ihr aus im Munde.
Ohnmacht hielt in dunkeln Netzen,
Ihr den schönen Leib umschlungen.
Er alsbald trug sie zu Rosse,
Rasch dann fort im nächt'gen Fluge.