Drang in die Ferne
Schubert, Franz
Vater, du glaubst es nicht,
Wie's mir zum Herzen spricht,
Wenn ich die Wolken seh',
Oder am Strome steh',
Wolkengold, Wellengrün
Ziehen so leicht dahin,
Weilen im Sonnenlicht,
Aber bei Blumen nicht.
Zögern und rasten nie,
Eilen als wüßten sie
Ferne und ungekannt
Irgend ein schön'res Land.
Ach! von Gewölk und Fluth
Hat auch mein wildes Blut
Heimlich geerbt den Drang,
Stürmet die Welt entlang!
Vaterlands Felsenthal
Wird mir zu eng, zu schmal;
Denn meiner Sehnsucht Traum
Findet darin nicht Raum.
Laßt mich! ich muss, ich muss
Fordern den Scheidekuss.
Vater und Mutter mein,
Müsset nicht böse seyn:
Hab' euch ja herzlich lieb,
Aber ein wilder Trieb
Jagt mich waldein waldaus,
Weit von dem Vaterhaus.
Sorgt nicht durch welches Land
Einsam mein Weg sich wand,
Monden- und Sternenschein
Leuchtet auch dort hinein.
Überall wölbt's Gefild'
Sich den azurnen Schild,
Den um die ganze Welt
Schirmend der Schöpfer hält.
Ach und wenn nimmermehr
Ich zu euch wiederkehr',
Lieben, so denkt er fand
Glücklich das schön're Land.